Wien, 04. November 2016

enerGationen von Physikern und Mathematikern versuchten eine „Formel für die Welt“ zu finden und mit Hilfe von Gleichungen den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu beschreiben. Mittlerweile arbeitet die Forschung vielmehr mit Computerexperimenten und Algorithmen. „Korrelation“ statt „Begründung“ lautet die Devise. Mit dem Erkennen von Zusammenhängen durch die Analyse großer Datenmengen sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden. Kurz gesagt: Big Data ist auch in der Wissenschaft angekommen.
So etwa arbeitet das 2013 von Google neu gegründete Biotechnologieunternehmen Calico (https://www.calicolabs.com/) an der Lebensverlängerung des Menschen. Aber nicht, indem sie die Ursachen und Behandlungsmethoden von Alter und Krankheit erforscht, sondern durch die Auswertung von Unmengen an medizinischen Daten mit Hilfe von Algorithmen.

Zwischen Lebensrettung und totaler Überwachung
Epidemien und Verbrechen, lassen sich auf Grund der exponentiell steigenden Datenmengen immer besser vorausberechnen und können damit Leben retten. Dabei sind es nicht nur Daten, die Millionen von Nutzern in Informations- und Kommunikationsnetzwerken hinterlassen - sei es durch Telefonanrufe oder Navigationssysteme der Fahrzeuge. Vielmehr beobachten sich im wachsenden „Internet der Dinge“ oder „IOT (Internet of Things) viele Produkte selbst und produzieren über Sensoren Milliarden von Dateneinheiten, die an die Hersteller rückgemeldet werden.
Mit der gezielten Nutzung dieser Daten - auch im Dienste des Menschen, wie zum Beispiel der Kühlschrank mit integrierter Kamera, der die fehlende Milch auf die Einkaufsliste setzt – entsteht eine Vielzahl an Geschäftsmodellen, die unser Leben vereinfachen und die Lebensqualität steigert. „Big Data“ ist daher längst nicht mehr nur als innovative Marketingstrategie abzutun.
 

„Big Data“ kannten bereits die Babylonier
Dennoch ist „Big Data“ d.h. die Analyse und das Erkennen von Zusammenhängen auf Basis von Daten kein neues Konzept. Bereits die Babylonier (ca. 1800 v. Chr.) erfassten für damalige Verhältnisse große Mengen an Daten über astronomische Beobachtungen, Ernteergebnisse, Handel, Gewerbe und Verwaltungsabläufe auf unzähligen Tontafeln in Keilschrift.
Aus den Regelmäßigkeiten in den astronomischen Daten konnten erstaunliche Voraussagen über Planetenkonstellationen getroffen werden, ohne diese erklären zu können.
Über diese und weitere Verbindungen des Big Data Konzeptes in den verschiedenen Epochen der Wissenschaft berichtet Mainzer in seinem Buch. Er zeigt faszinierende Wege der Wissensgewinnung mit Hilfe von Big Data-Ansätzen und stellt gleichzeitig auch Kosten und Nutzen im wissenschaftlichen und philosophischen Kontext gegenüber.

Über den Buchautor
Klaus Mainzer ist seit 2008 Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Wissenschaftstheorie und Direktor der Carl-von Linde-Akademie an der Technischen Universität München.
ISBN: 9783406661310 – im C.H.Beck Verlag 2014 erschienen

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